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Bietigheimer Zeitung, SUSANNE YVETTE ... | 19.07.2016

Die Studiobühne Besigheim verwickelt ihr Publikum in eine Shakespeare-Begegnung der dritten Art. Premiere war am Samstag auf der Freilichtbühne.

Bild: Martin Kolb

Drei Helden der Besigheimer Studiobühne wagen das Unmögliche: Sie machen sich zu Shakespeares Anwalt in der heutigen Zeit und servieren im Freilicht-Theater neben dem Steinhaus in Besigheim „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“, dafür aber angereichert mit einem Shakespeare-Rap, einem Fußballmatch der Blaublüter und vielen irrwitzigen Comedy-Einlagen. Shakespeare als leichte Sommerkost? Ja, bis auf die Sprache des Dichters und Poeten: Die bleibt und ist heute nicht immer leicht zu verstehen.

Mit 66 Kostümwechseln und 50 Requisiten haben Christoph Konkol, Armin und Felix Gosch sicher kein leichtes Spiel, und dennoch gelingt ihnen auf der Besigheimer Studiobühne in diesem Sommer ein Geniestreich. Statt William Shakespeare wie einst Marcel Reich-Ranicki tot zu diskutieren, leben sie lieber seine Raffinessen aus, die auch 450 Jahre später noch Kultstatus genießen.

„Dieses Buch sollte in jeder Nachtischschublade liegen“, sind sie sich zu Shakespeares gesammelten Werken einig und selektieren. Die Komödien werden als Einheitsbrei entlarvt. „Es sind immer dieselben Gags, die Shakespeare nur umbaut“, ist das Fazit. Dafür gibt es herrlich moderne Resümees zu „Romeo und Julia“, „Othello – der Mohr von Venedig“ und vielen Klassikern mehr. Da wird gerappt, da wird Fußball gespielt. Da hält der Irrwitz Einzug und das Publikum ist nicht nur dabei, sondern mittendrin im Geschehen.

Immer wieder gehen die Schauspieler auf O-Ton-Jagd ganz nah an die Sitzreihen heran, verteilen „abgeschnittene Damenfinger mit blauen Nägeln“ und laden bei Hamlet sogar zu einer Tombola ein. Der Sieger wird ausgelost. Die Balkonszene verwandelt sich in eine frivole Geländer-Szene, in der „Julia“ auf der Stange reitet und sich fragt, wofür sie eigentlich einen Romeo braucht. Auch sonst ist die Komödie von Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield hervorragend dafür geeignet, aufzuräumen mit Mythen rund um William Shakespeare und seiner vermeintlich verklärten Sicht auf die Welt.

Armin Gosch als erfahrener Studiobühnen-Darsteller ist die Rollenvielfalt auf den Leib geschrieben, ebenso Sohn Felix Gosch, der strahlend auch die weiblichen Rollen übernimmt und so manches Mal die Perücke der Julia verliert. Als „Gummimensch“ ist Christoph Konkol der bewegende Star des Abends, der einer Achterbahn gleicht, einer Achterbahn durch die literarische Welt Shakespeares.

Dafür, dass den Zuschauern dabei nicht schwindelig wird, sorgt das Dreigestirn, indem es pointiert die Komik auf die Spitze treibt. Da bleibt kein Auge trocken, und dafür kämpft man sich doch gern mal wieder durch Shakespeares verklausulierte Sprachwelt. Allein schon das alles auswendig zu lernen, gleicht einem Marathon und bringt den Studiobühnen-Machern einen besonderen Kitzel, denn ihr Schauspielgenius läuft dafür sicher zur Höchstform auf. Bei der Premiere am Samstag gab es immer wieder Szenenapplaus. Der komische Shakespeare kommt an und lüftet für einige laue Abendstunden im Sommer seine verstaubte Perücke – erlebenswert.