Im Winter widmet sich die Besigheimer Studiobühne manchmal gern einem sozialkritischen Stoff, noch dazu, wenn er ein politisch aktuelles brisantes Thema berührt. In der jüngsten Produktion „Phantom“ geht es um eine Frau mit Flüchtlingshintergrund und ihren persönlichen Kampf im Dschungel der Vorurteile in der neuen Heimat.. Am Freitag, 17. Februar um 20 Uhr ist Premiere.

 Als das Asylthema in Deutschland begann hochzukochen, stieß Claudia Hermann von der Besigheimer Studiobühne zufällig auf ein Stück von Lutz Hübner, den viele als Autor von „Frau Müller muss weg“ kennen. Die berühmte Vorlage auch für einen Film, machte Claudia Hermann aufmerksam auf ein zweites Stück desselben Autors, das sich in eine geflüchtete Frau und ihre vielschichtige Problematik in ihrer neuen Heimat hineinversetzt.

Das Schicksal einer Frau

Zusammen mit Mareike Pfeiffer hat Claudia Hermann nun die Choreografie dafür ausgetüftelt, zu 95 Prozent nach der Originalvorlage, erzählt sie. Das Stück erzählt nicht etwa die dramatische Geschichte einer Flucht und die Situation eines Neuankömmlings in Deutschland. Vielmehr wird das Schicksal einer Frau rekonstruiert, nachdem in einem Schnellrestaurant ein ausgesetztes Baby gefunden wird. Dabei wird vor allem die facettenreich angelegte Persönlichkeit transparent und die Vorurteile, mit denen sie zu kämpfen hat.

 Die drei Frauen der fünf Schauspieler auf der Bühne schlüpfen in die verschiedenen Aspekte dieser Persönlichkeit. „Jeder Spieler übernimmt mehrere Rollen. Das macht einen Reiz des Stücks aus“, erläutert Claudia Hermann. Bei der Rollenbesetzung sei es daher besonders wichtig gewesen, „dass die Personen wandelbar sind“, so wandelbar wie die Protagonistin Blanca selbst.

Innere Stimmt wird wütend

Emely Zundel, Ramona Karst und Miriam Staudacher verkörpern verschiedene Seiten der Heldin, die miteinander im inneren Dialog stehen. „Emely Zundel, die jüngste der drei, schlüpft in die Rolle der verängstigten Blanca. Ihre innere Stimme, die wütend wird auf das Verhalten der Einheimischen, die sich in das soziale Netz fallen lassen, obwohl sie arbeiten könnten, spielt Miriam Staudacher. Die männlichen Parts übernehmen Johannes Tief und Achim Enchelmaier.

Die Altersspanne der Spieler, zwischen 19 und 50, sorgt für Eigendynamik. Die Kulisse bleibt schlicht, weil Claudia Hermann „kein Freund von Materialschlachten ist“, wie sie sagt: Fünf Stühle, auf denen die Spieler Platz nehmen, wenn sie gerade nicht an der Reihe sind, zwei Tische mit wechselnden Funktionen, dazu ein Kleiderständer mit allen Kostümen. Das ist alles.

Mit Kleiderwechsel in neue Rolle

Natürlich spielt die Beleuchtung eine große Rolle. „Ein verändertes Licht zeigt einen Wechsel der Tageszeit an oder sonst den Beginn einer neuen Szene“, beschreibt die Studiobühne-Macherin. Während des ganzen Stücks bleiben alle auf der Bühne und schlüpfen dort auch per Kleiderwechsel in neue Rollen - vor den Augen der Zuschauer, eine besondere Situation. Das soll für Transparenz sorgen und den Zuschauer vor dem Abschalten bewahren, wenn ein Vorfang fällt.

Die Ausgangsfrage, wie das Baby in das Schnellrestaurant gekommen sein könnte, führt die Beschäftigten, die das Kind gefunden haben, schnell in die richtige Richtung. „Man sieht am Anfang auf einer Überwachungskamera, wie eine junge Frau den Papierständer in einer Damentoilette leerräumt“, verrät Hermann. Alles andere ist Recherchearbeit, die der Zuschauer hautnah miterleben wird. „Das Stück gibt direkten Einblick in die Überlebensstrategien eines Geflüchteten. Es zeigt, wie schnell Menschen in Schubladen geschoben werden, oft unbewusst, ohne überhaupt zu überdenken, warum man das tut und ob das dem jeweiligen Gegenüber gerecht wird. Diese Umstände will das Stück aufbrechen und deshalb fiel auch unsere Wahl darauf“, lässt Claudia Hermann wissen. Mehr zum Inhalt will sie noch nicht preisgeben. Die weiteren Aufführungstermine, sowie Wege zur Kartenreservierung, hält die Homepage der Studiobühne parat.

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Foto: Helmut Pangerl